„Bei Kindern stellen sich die Fragen jedes Mal anders“

Interview mit Jennifer Haferkamp, MTRA am Universitätsklinikum Essen

Jennifer Haferkamp hat als MTRA die CT-Abteilung am Universitätsklinikum Essen geleitet, bevor sie im vergangenen Jahr das Studium der Medizin aufgenommen hat und seitdem in Teilzeit arbeitet. Für GPR 2020 DIGITAL verantwortet sie mit ihrer Kollegin Helen Bürger das MTRA-Programm. Im Interview für radiopraxis berichtet Frau Haferkamp über die Themen, die die kinderradiologisch interessierte MTRA am 03.10.2020 in der digitalen Fortbildung erwartet.

 Frau Haferkamp, was sind die Hauptthemen des MTRA-Programms?

Wir haben das MTRA-Programm nach den drei großen Modalitäten konventionelles Röntgen, CT und MRT strukturiert und jeden dieser Blöcke noch einmal untergliedert.

An erster Stelle stehen die technischen Aspekte der Modalitäten, die ja auch den hauptsächlichen Fokus unserer Arbeit ausmachen – und gerade im Bereich der CT uns auch immer wieder vor Herausforderungen stellen. Denn die CT wird bei Kindern zwar nicht oft, aber wenn, dann unter akuten Bedingungen, zum Beispiel bei Traumata, oder dringenden onkologischen oder operativen Fragestellungen eingesetzt.

Darüber hinaus wollen wir unsere Zuhörinnen und Zuhörer einladen, einen Blick in die Praxis der Essener Kinderradiologie zu werfen. Wie setzen wir Künstliche Intelligenz ein? Wie sieht unser pädiatrischer Schockraum aus?

Und schließlich möchten wir andere Fachdisziplinen zu Wort kommen lassen: Orthopäden, Pädiater und Psychologen.

 …mit einem Vortrag über „Kindernotfälle – wie gehen wir damit um? “

Genau. Das Thema hat zwei Seiten. Die für den Vortrag angefragte Referentin Frau PD Dr. Gradl-Dietsch wird uns zum einen die Seite des Kindes nahebringen. Was empfinden Kinder in Notfallsituationen, was brauchen sie? Aber dann geht es auch darum, wie wir optimal helfen können, ohne, dass uns die Schicksale zu nahe gehen. Auf diesen Vortrag freue ich mich besonders.

Was unterscheidet die Arbeit einer MTRA in der Kinderradiologie von der Erwachsenenradiologie?

Bei Erwachsenen ist vieles einfacher, die Protokolle für CT-Untersuchungen sind auf den erwachsenen Patienten ausgerichtet und weitestgehend standardisiert. Bei Kindern stellt sich die Frage jedes Mal neu, mit Blick auf das Krankheitsbild, die Konstitution der kleinen Patienten; da gibt es viele Unterschiede. In der Regel wird das Wissen über Kinderradiologie auch an den MTRA-Schulen nur rudimentär vermittelt. Man lernt es während der praktischen Ausübung der Tätigkeiten der kinderradiologischen Abteilung. Zusätzlich ist man in der Kinderradiologie viel stärker in der Interaktion – sowohl mit den kleinen Patienten selbst als auch mit deren Eltern.

Interaktion ist auch ein Stichwort für das digitale MTRA-Programm.

Wir machen die Erfahrung, dass die Diskussionsmöglichkeiten, die sich in den Webinaren durch die Chatfunktion auftun, sehr rege genutzt werden. Es wird mehr gefragt, als in den Präsenzkursen. Dem möchten wir Rechnung tragen und haben daher für jeden Vortrag genügend Zeit für die virtuelle Diskussion eingeplant.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Florian Schneider, Referent der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie e.V., Berlin